Montag, 1. September 2008

Von der Endeckung Amerikas oder Träumen von Kokosnusspalmen

29.8.2008

00:00 Uhr

Akt. Pos.:

44?12.8 N

9?26.3 W

Ich hoffe ihr habt alle nicht schon die Schnauze vol von diesem Blog, weil sowieso nichts drin steht. Das Problem ist, dass ich an Bord keine M?glichkeit habe ins Internet zu gehen. Nur Mailen ist m?glich. Und dass auch nur wenn der Kapit?n ab und zu mal eine Verbindung zum Sateliten aufbaut. Aber ich hab da so meine Verbindungen also jetzt doch mal ein Post.. Ich denke das ich das ein zweimal die Woche ab jetzt hinbekomme. W?r sch?n wenn ihr das denen sagen k?nntet, die hier schon nciht mehr vorbeischauen, weil sie glauben es gibt sowieso nichts neues.

Also ich bin vor einer Woche in Hamburg am Eurokai um 15:28 an Bord gegangen. War schon ziemlich komisch. Aber mein Mitazubi R. hat mir bei meinem Gep?ck geholfen, dass ich alleine niemals die Gangway hochbekommen h?tte. Danach hat er mir erstmal die wichtigsten R?ume gezeigt. Officers Mess, Gym, Laundry, Beer and Tobacco Store ;) (Nein ich werde nicht zum Raucher), Nav. Bridge, meine Kammer. usw. Danach haben wir dann erstmal zwei Stunden Verpflegung f?r zwei Monate mit nem Kran verladen.

Ausgepackt hatte ich da noch icht einmal. Um sieben sind wir dann essen gegangen. Hab erstmal ein paar belustigte Blicke vom Steward bekommen weil ich auf R. mit dem Essen gewartet hab. Solche Verhaltensweisen gibt es hier nicht. So ist es denn auch meist, dass ich auf meinem festgelegten Platz alleine am Tisch sitze, an einem andern der 2. Officer und wieder an einem anderen der Passagier der mitf?hrt. (Ein sachse.. Sehr lustig). Und wenn man sich dann halt unterhalten will, muss man eben ein wenig lauter durch den Raum "reden". Leise T?ne werden hier auch allgmein nciht angeschlagen. Mein Master (Kaptit?n.) w?hlte auch sehr sch?ne erste Worte an mich. "Legen sie ihre Unterlagen dahin, reden sie mich nie wieder von der Seite an und verziehen sie sich!". Das nat?rlich in einer einem alten Seeb?ren angemessenen "deutlichen" Sprache. Aber ich schweife ab.

So ab acht Uhr hatte ich dann wieder Dienst. Gangway Wache f?r R. weil ein paar Kumpels von ihm aus Rostock gekommen sind. H?tte ich mal lieber mnicht machen sollen. Nicht weil es f?r mich so grausam war, aber R. hat ?rger bekommen, was die f?r die allgemeine Simmung nicht allzu gut war.

Die Gangway_wache war nciht allzu spannend. Aufschreiben wenn jemand kommt, aufschreiben wenn jemand geht. Zwischendurch noch ein bisschen in die Funke geqautscht und dass erste mal bemerkt, dass von Filipinos gesprochenes English noch schlimmer ist als bayerisches Deutsch. Und wo wir gerade bei Bayern sind. Mein SM, also quasi mein Ausbilder, ist ein aus BAyern stammender Indonese. Komische Mischung. Von praktischen Sachen hat er auch durchaus einen Plan. Aber wenn es darum geht irgendwas in ExcelTabellen zu tippen, dann versagt es. Das bl?de sit er will es selber machen. Ich komm mir schon langsam bl?d vor wenn ich ihn immer korrigiere. Aber davon versteh ich nunmal mehr. Der Chiefmate ist auch schon am Abdrehen.

Aber das ist wieder alles vorgegriffen.

Samstag hatte ich den ganzen Tag frei, abends wieder Gangwaywache. Sonntag sind wir Nachts gegen 5 ausgelaufen. Ansonsten h?tte ich von 8-12 Wache scheiben m?ssen. Und genau das sit auch mein Arbeitsrythmus. Immer von 8 - 12. Morgens und Abends. Das sit ziemlich komisch. Irgendwie passen jetzt immer zwei Tage in einen. Ich k?nnte mir praktisch aussuchen ob ich lieber nachts oder tags?ber schalfen w?rde. Aber nachts gibts kein Essen. Also hei?t es nachts, dass Bett zu w?rmen. Ein Doppelbett f?r mich ganz alleine, leider. Aber es ist schon irgendwie ein besonderes Gef?hl neben sich und der Bettdecke noch platz f?r nen wecker zwei B?cher ner T?te Goldb?ren, M&Ms ner Flasche Wasser, seinem Handy und ein paar fotos zu ahben. NAch 20 Jahren Einzelbett sind das ganz besondere Gef?hle. Aber auch wenn sich das vielleicht alles ganz toll anh?rt. Die ersten Tage waren einfach echt nicht sch?n.. Einleben war schwierig. R. hat immer Dienst wenn ich grad Zeit habe. Und von nachts um 4 bis morgens um 8 schalfen wir beide. Also kaum zeit mal mit gleichaltrigen zu schnacken. Der Kapit?n ist auch speziell, die Filipinos versteh ich nciht richtig und der SM ist niemand mit dem ich reden m?chte. Aber mit dem Passagier hab ich meine PL?uschchen gehalten. Ich kann mir noch gar nicht vorstellen wie das wird, wenn der in HongKong aussteigt. Mal schauen.

Nun gut. Sonntag abend hatte ich dann das erste mal Br?ckenwache. (War ja keine Gangway mehr zu bewachen). Da hat der Master mir auch gleich erstmal gezeigt, was es hei?t ein W?rterbuch richtig zu benutzen. Immerhin, ich wei? jetzt was der feine unterschied zwischen loaded und lading hei?t. und das duty keineswegs die Verpflichtung sondern die Pflicht ist. Oder andersrum. Einen Dank an Herr Krogmann, dass er mir schon vor nem Jahr gesagt hat, das mein Vokabular grauenhaft ist. Aber nun gut.

Da meine eigentliche Aufgabe auf der Br?cke Ausguck gehen war, und eben nicht Vokabeln nachschlagen, hab ich das dann zusammen mit meinem Ausguck Mentor Ac-Aac (so ein geiler NAme..) auch gemacht. Das Probelm sit aber, wenn man drei Stunden mit einem Fernglas aufs Meer schaut, die Konzentration manchmal ein wenig nachl?sst. Wir ahben beide einfach schlcht son nen kleinen Segler ?bersehen.

Das war nat?rlich Kanonenfutter f?r den Capt. Er wei? von meiner Weitsichtigkeit und aht mir die ganze Zeit gesagt, ob ich Amerika mittlerweile sehen w?rde oder ob das f?r mich auhc noch zu nah ist. Und zu Ac-aac hat er nur gesagt, dass er wohl wieder von Kokosnussb?umen getr?umt hat. Da ist mir das erste mal klar geworden, dass ich einen guten Captain erwischt hab.

Um 12 konnte ich mich dann Richtung Bett bewegen. Das Problem daran, dass wir mitterweile unterwegs waren war, dass mittlerweile die Maschine lief. Auf gut Deutsch, hier vibriert alles. und es ist niemals leise. War aber hundem?de und konnte deswegen trotzdem einschlafen. Nach cirka zwei Stunden hat mein telefon geklingelt. Und das sit ein echt nerviger Ton. Und wenn das Telefon klingelt hei?t das auf gut Deutsch: Arbeit. In diesem Fall einlaufen in den Rotterdammer HAfen. Um 5 lag ich wieder im Bett ohne einen HAndschlag getan zu ahben. (Die ersten 2 male an und ablegen sollte ich nur zuschauen und lernen. iSt ahlt doch ein klein bisschen gef?hrlich.) Ich konnte aber nicht mehr einschlafen. Also um 7 Uhr total ger?dert aufgestanden um um 8 Uhr wieder f?r vier Stunde Gangway Wache zu gehen. Rotterdam ist ein geisterhafen. Fast alles l?uft ?ber MAgnetwagen ab. Das mag vielleicht ?konomisch grandios sein, f?hrt aber dazu dass die Wache noch langweiliger ist. Nun gut 4 Stunden sind ja schnell vorbei.. :D..

Viel passiert ist dann eigentlich auch nicht mehr. Abends wieder 4 Stunden Wache, fr?hmorgens auslaufen abends erst ne Stunde auf der Br?cke dann anlegen in Le Havre und dann noch ne Stunde Gangway-Wache bis 12. Aber das hat echt alles ?bertroffen. Die Hafenarbeiter in Le Havre waren im Streik. Ich habe eine Stunde einen leeren, dunklen Hafen beobachtet und eine halb Hochgezogene Gangway bewacht. Danke ISPS, danke Amerika. Gott sei dank hatte ich nciht die Wache danach. R. durfte das 4 Stunden lang machen.

Nun gut. morgens um 6 haben sie dann doch angefangen zu arbeiten. Die 4 Stunden waren dann auch ertr?glich.

Und seitdem wir aus Le Havre raus sind hat sich ein gewisser Rythmus eingependelt. Morgens geh ich 2 Stunden mit dem SM die Reefer ablesen ( K?hlcontainer ), danach machen wir irgendwas anderes. Bilgen peilen, Gangway warten ein bisschen Rost entfernen hier ein bisschen rost entfernen da. Abends hab ich immer Br?ckenwache. H. der sehr junge 4. Off. bringt mir dann immer was bei. Lichterf?hrung und dei Ger?te auf der Br?cke son Krams halt. Bis zehn sind er und der Capt. immer noch da. Und wenn man sich dran gew?hnt hat, hat man mit den beiden auch seinen Spa?. Mit H. aber sowieso. Um 10 kommt dann immer der Filipinische 3. Off. ein ruhiger sehr netter Mensch. Dann kehrt auch p?nktlich zur Dunkelheit auch immer ein bisschen Ruhe ein. Wir schl?rfen unsern Tee und schauen in die Ferne. Bei der n?chsten Wache bringt Hannes mir das Steuern bei. Da freu ich mich schon ziemlich drauf. Mal sehn obs auch so viel Spa? macht. Ich k?nnte jetz noch jede Menge mehr erz?hlen. Aber ein bisschen was muss ich mir noch f?r sp?ter aufheben. ;)

Nur eins noch: Wir sind locker flockig durch die Biskaya durchgekommen. Der Katzbeutel kann also noch ein bisschen im Schrank bleiben.. :).

Ahoi und auf bald. Timo.

P.S. Wenn ihr mir ne E-Mail schreiben wollt, muss ich euch zuerst geschrieben haben, sonst wirds geblockt. Lasst mir irgendwie eure E-Mail Add. zukommen und ihr bekommt Post.

4 Kommentare:

prinz hat gesagt…

Hey, klingt ja nach viel Spaß und wenig Schlaf *g* Sind in jedem Fall einige interessante Dinge dabei die man auch gerne mal gemacht hätte. Hoffe du musst dich nicht zu sehr durchbeißen. Ich nörgel hier schon weil ich nur 6h Schlaf bekomme :P
Denk dran ein paar Fotos zu machen!
Liebe Grüße,
Martin

DieKolja hat gesagt…

...wow...Ich dachte schon, der text wird niemals enden ;) Aber jetzt hab ichs doch geschafft.
Morgen (6.9.) verpasst du unsere Jahresplanung...aber das interessiert dich wahrscheinlich nicht wirklich. Ich hab auch keine Lust hin ;)

Unknown hat gesagt…

Hey Lieblings-Ex,

ih beneide dich trotz deiner winseligen Ausführungen jetzt schon um den Job - das klingt irgendwie alles sehr cool.

Naja, ich hoffe, Martinchen schreibt dir mal meine E-Mail-Adresse (obwohl du die haben solltest... !!!). Denn ich will ja auch mal "Post für den Tiger" aus der weiten und aufregenden Welt nachfühlen können ;-)

Liebe Grüße dorthin, wo du grade bist,
ich vermisse die Mathestunden neben dir,
Denise

Anonym hat gesagt…

Hey Timo, also nach deinen Ausführungen weiß ich immernoch nicht so ganz ob das jetzt auch was für mich gewesen wäre oder nich ;). Aber ich werde mich jetzt an das Studentenleben gewöhnen müssen. Hoffe dass es nicht viel langweiliger als eure ganzen aufregenden (Auslands-)Erfahrungen.
Schreib übrigens mal mit ae,ue,oe wir sehen hier nur ? !!!!
Gruß Kathrin